Hunde-Erziehung
Ein Mensch ist ein Mensch - ein Hund ist ein Hund
von harmoniepet am 13.10.2008
unser kleiner "Held"
Ein weit verbreitetes Gerücht besagt, dass der Hund als „Rudeltier“ einen festen Platz in der Hierarchie des „Menschenrudels“ einzunehmen hat und der Hundeführer den Platz des „Alpha“-Tieres einzunehmen hat. Dabei hat der „Alpha“-Mensch im „Rudel“ sehr dominant zu sein und seinen Willen unter allen Umständen und mit aller Gewalt durchzusetzen um eine Dominanz des Hundes unter allen Umständen zu vermeiden. Das gleiche Gerücht (übrigens aufgestellt von ein und derselben Person und übernommen von vielen, vielen weiteren sogenannten Fachleuten) besagt auch, dass Hunde ununterbrochen danach streben, einen „Rang“ aufzusteigen, also nach der Weltherrschaft zu greifen.
Längst ist das alles wissenschaftlich widerlegt, dennoch halten sich diese völlig falschen Thesen hartnäckig. Warum? Vielleicht weil es einfacher ist, ein Lebewesen zu unterdrücken, zu unterwerfen, statt sich mit ihm auseinander zu setzen? Vielleicht auch, weil gegensätzliche Thesen später kamen und längst noch nicht so verbreitet sind? Vielleicht aber auch, weil dann über 90 % der Hundetrainer und Verhaltenstherapeuten umdenken und ihre „verstaubten“ Allheilmittel in der Schublade verschwinden müssten? Ich weiß es nicht – ich schreibe hier nur aus über 3 Generationen Erfahrung und der intensiven Bekanntschaft von mehr als 1000 Hunden. In all den Jahren habe ich keinen Hund erlebt, der nach der Weltherrschaft gegriffen hätte.
Ich habe Hunde erlebt, die aufgrund falscher oder fehlender Erziehung ihre Ressourcen oder ihr Territorium verteidigten, die aufgrund falscher oder fehlender Erziehung Menschen oder andere Tiere angegriffen haben, aber niemals habe ich einen dominanten Hund erlebt (Dominanz heißt HERRSCHEN, Beherrschen, Herrschsucht).
Gehen wir kurz den Begriffen auf den Grund:
Zunächst einmal ist der Hund kein wirkliches Rudeltier! Ein Rudel ist ein Verbund, meist sogar ein Familienverband, aus Raubtieren gleicher Art. Welcher Hund lebt heute noch in einem Rudel? Die meisten Hunde werden mit spätestens 8 Wochen (meist noch früher), von guten Züchtern im Alter von 10-12 Wochen von ihrer Familie getrennt und, in der Regel einzeln, zu ihren neuen Menschen abgegeben. Das geht seit Generationen so. Meist gibt es für den Welpen nicht einmal einen Vater, denn Züchter fahren oft viele Kilometer, um den idealen Rüden für ihre Hündin zu finden, der dann natürlich nicht mehr bei der Geburt der Welpen dabei ist. Wie also kann ein solches Tier ein Rudeltier sein? Es weiß ja nicht einmal, was ein Rudel ist. Und so haben wir uns dann oft schon ein Problem geschaffen, wenn wir irgendwann einen zweiten oder dritten Hund dazu bekommen. Die Hunde wissen nichts vom Leben im Rudel, wie also sollen sie etwas von einer festgefügten Hierarchie in diesem „Rudel“ wissen? Von Wölfen glaubt man zu wissen, dass sie in einer festen Hierarchie leben, was aber hat das noch mit unseren Hunden zu tun? Die wenigsten Hunde haben die einschlägige Literatur gelesen. Es ist auch längst erwiesen, dass Wölfe nicht dauernden Rangstreitigkeiten unterworfen sind – das würde das Rudel schwächen und man hätte keine Zeit mehr, sein Futter zu jagen. Solchen Unsinn hat die Natur nicht gemacht. Wenn also nicht einmal Hunde ein wirkliches Rudel bilden (sicher gibt es Hunde, die im Rudel leben wie unsere, die jedoch trotzdem keine festgefügte Hierarchie kennen), wie kann dann der Mensch, der weder ein Raubtier, noch ein Canide, noch ein Hund ist, mit einem Hund ein Rudel bilden? Er kann es nicht!
Selbst in einem Wolfsrudel ist der Alpha nicht der Diktator, als der er gerne hingestellt wird. Der Alphawolf ist ein souveränes Tier, gerecht und „cool“. Der menschliche Alpha ist ein Despot, jähzornig und ungerecht. Es sei denn, der Mensch befindet sich im Alpha-Zustand, dann ist er souverän, gerecht und liebevoll. Im Sprachgebrauch wird jedoch meist der Despot als Alpha bezeichnet.
Fazit: Mensch und Hund bilden kein Rudel. Sie bilden vielleicht eine Symbiose, besser noch eine harmonische Beziehung. Und um eine harmonische Beziehung zwischen zwei so unterschiedlichen Lebewesen zu erreichen, bedarf es Liebe, Verstand, Führungsqualitäten und Verantwortung. Mehr nicht!
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