Beitrag von monagu (Gast) am Sonntag, 19. Juli 2009:

Dominanz ist ein alter Hut

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Beziehungen zwischen Hunden werden nicht durch den Anspruch auf Dominanz motiviert, sondern erlernt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Bristol. Im folgenden veröffentlichen wir eine Pressemeldung, die Hundetrainerin Monika Gutmann übersetzt und uns zur Verfügung gestellt hat.

Eine aktuelle Studie belegt, wie das Verhalten von Hunden über Generationen missverstanden wurde: tatsächlich ist der Gebrauch von falschen Ideen von Hundeverhalten und –training eher dazu angetan, unangemessenes Verhalten hervorzurufen, statt es zu therapieren. Die Ergebnisse stellen viele der dominanzbezogenen Interpretationen von Verhalten und Trainingstechniken, die von Fernseh-Hundetrainern empfohlen werden, in Frage.

Entgegen dem verbreiteten Glauben, versuchen aggressive Hunde NICHT ihre Dominanz / Herrschaft über ihre Artgenossen oder ihr menschliches „Rudel“ zu erlangen. Dies haben Forschungen der Abteilung „Clinical Veterinary Science“ der „University of Bristol“ ergeben.

Im „Dogs Trust“ Tierheim wurden sechs Monate lang Hunde in ihrem freien Umgang mit Artgenossen beobachtet. Zusätzlich wurden Daten von frei lebenden Hunde analysiert, bevor daraus geschlossen werden konnte, dass Beziehungen zwischen Hunden durch Erfahrung erlernt und nicht durch den Anspruch auf Dominanz motiviert wurden.

Die Veröffentlichung „Dominance in domestic dogs – useful construct or bad habit?“ (Dominanz bei Haushunden – nützliches Modell oder schlechte Angewohnheit?) deckt auf, dass Hunde nicht davon motiviert sind, ihren Platz in der Rangordnung ihres Rudels zu behaupten, wie viele bekannte Hundetrainer das predigen.

Trainingstechniken, die als „Rangreduktion“ bekannt sind, sind weder hilfreich, so die Wissenschaftler, sie variieren von nutzloser Behandlung bis gefährlich und verschlimmern das Verhalten noch mehr.

Dem Hundehalter zu erklären, dass es wichtig ist, vor dem Hund zu essen oder durch Türen zu gehen, haben keinen Einfluss auf die allgemeine Wahrnehmung der Hund-Halter-Beziehung. Besser ist es, dem Hund in den speziellen Situationen das richtige Verhalten beizubringen. Schlimmer noch, solche Techniken, wie den Hund auf den Rücken zu werfen und festzuhalten, an den Lefzen zu ziehen oder Gegenstände nach dem Hund zu werfen, machen den Hund ängstlich – oft gegenüber den Besitzer – und führt unter Umständen zu einer Eskalation von Aggression.

Dr. Rachel Casey, führende Dozentin der Abteilung „Companion Animal Behaviour and Welfare“ der Bristol University, sagt: „ Die pauschale Annahme, dass jeder Hund durch ein inneres Verlangen zur Kontrolle von Menschen oder Hunden getrieben wird, ist offen gesagt, lächerlich. Dies unterschätzt in großem Maße die komplexen kommunikativen Fähigkeiten und Lernbereitschaft von Hunden. Es führt ebenso zu aversiven Trainingstechniken, was den Tierschutz gefährdet und aktuelle Verhaltensprobleme auslöst.“

„In unserer tierärztlichen Sprechstunde sehen wir häufig Hunde, die gelernt haben, Aggression zu zeigen, um so voraussichtliche Bestrafung zu vermeiden. Die Hundehalter sind oft schockiert, wenn wir ihnen erklären, dass sich ihre Hunde vor ihnen fürchten und sie aggressiv sind, wegen der aversiven Trainingstechniken. Das ist allerdings nicht ihr Fehler, sondern weil sie z. B. von unqualifizierten „Hundepsychologen“ beraten und angeleitet wurden, diese Techniken anzuwenden.“

Im größten Tierheimverbund „Dogs Trust“, sehen die Mitarbeiter die Ergebnisse dieser „Fehlgeleiteten“ Trainingstechniken jeden Tag. Der tierärztliche Direktor, Chris Laurence MBE, erklärt: „Wir sehen sofort, wenn ein Hund zu uns kommt, ob er mit einem, vom geliebten Fernseh-Hundetrainer empfohlenen „Rangreduktionsprogramm“ trainiert wurde. Die Hunde können sehr ängstlich sein, was sich dann in Aggression gegenüber Menschen äußert.

Traurigerweise sind die Methoden im Training, um dem Hund zu zeigen, dass der Mensch der Rudelführer ist, sehr kontraproduktiv. Sie werden deshalb keinen besser erzogenen Hund bekommen, aber dafür einen ängstlichen Hund, der sein natürliches Verhalten unterdrückt: Er macht entweder gar nichts mehr oder reagiert so aggressiv, dass es für seine Umwelt gefährlich ist.“

Quelle:

Dominance in domestic dogs – useful construct or bad habit? Von John W. S. Bradshaw, Emily J. Blackwell, Rachel A. Casey. Journal of Veterinary Behavior: Clinical Applications and Research, Volume 4, Issue 3, Seiten 109 – 144 (May-June 2009).

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Joanne Fryer

University of Bristol, Senate House, Tyndall Ave., Bristol BS8 1TH, UK

Übersetzung: Monika Gutmann, www.modern-dogs.de

Hinweis: Namentlich gekenzeichnete Beiträge spiegeln ausschließlich Meinung und Kenntnisstand des jeweiligen Verfassers wider. Das Infoportal Haustiere macht sich die Inhalte dieser Beiträge nicht zu eigen und garantiert nicht deren Richtigkeit.

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Themen: Dominanz Rangordnung Hundeerziehung


Kommentare (von alt nach jung)

  • Unregistriert am Mittwoch, 19. Januar 2011

    hallo, es ist ja toll, wenn solche Studien gemacht werden. In dem Artikel wird aber leider nur gesagt was nicht ok ist, was ist denn dann ok. Wie soll ein und erzogen werden? Was soll ich machen wenn er mich in die Hacken zwickt, wenn Schnauzgriff und mal ins Fell packen verboten sind. Wenn der Rottweiler auf dem Sofa sitzt und mich anknurrt. . Soll der Hund die Führiung übernehmen? Ich bin nun ganz verwirrt.

    Viele Grüße

    Susanne

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    Nr. 1125

  • Unregistriert am Samstag, 26. Februar 2011

    @ Susanne

    Dafür gibt es ja gute Trainer, die schon lange wissen, was diese Studie belegt.

    Zu nennen wären da

    Dr. Ute Blaschke-Berthold

    Viviane Theby

    Pia Gröning

    um mal 3 zu nennen, aber es gibt viele mehr, die sich regelmässig fortbilden und wissen, wie genau das geht, was Du gefragt hast.

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    Nr. 1126

  • aroundthepet am Mittwoch, 25. Mai 2011

    Hallo Susanne,

    neben den genannten Namen gibts noch eine Menge andere gute Trainer und Autoren, die dieses Thema immer wieder sehr schön aufgegriffen haben.

    Ich werde zum Beispiel immer fragend angeschaut, wenn ich sage meine Hunden keinen kein "Nein" und ich verwende keine Strafe. Warum, weil ich respektvoll mit meinen Hunden umgehe und ihnen lieber sagen, was ich von ihnen möchte und nicht was ich nicht möchte.

    Was du machen sollst, wenn dein Hund dir in die Hacken zwickt oder dich anknurrt, kann dir keiner aus dem Forum sagen, denn es ist immer von vielen Faktoren abhängig.

    Was ich dir aber sagen kann, wenn du deinem Hund mit einem Schnauzengriff maßregeln willst, weil es Hund auch so tun oder im Nacken packen oder noch schlimmer auf den Rücken legen, dann muss du dich auch sonst hündisch verhalten und bei der Begrüßung auf die Knie gehen und deinem Hund am Hintern schnüffeln. - kleiner Scherz.

    Gerade in der heutigen Zeit, wo Hunde doch eher Familienmitglieder sind, sollte man sie auch so behandeln und vielleicht einmal überlegen, was das Gegenstück für einen Menschen wäre und ob man dieses mit einem Kind machen würde.

    Ich wurde von meinen Hunden im übrigen noch nie gezwickt oder angeknurrt.

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    Nr. 1127

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