Beitrag von harmoniepet am Samstag, 7. März 2009:

Tierpsychologie - Lehre der tierischen Psyche?

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Viele, viele Tierpsychologen gibt es in Deutschland, Österreich und in der Schweiz. Und für viele Menschen ist Tierpsychologe ein Traumberuf. Was aber ist eigentlich Tierpsychologie? Ist es die Psychologie der Tiere? Weit gefehlt! Mit Psychologie hat der Begriff nichts zu tun, oder sollte ich besser sagen: nichts mehr? Hier ein einige Gedanken dazu:

Psychologie ist die Wissenschaft vom Erleben, Verhalten und Bewusstsein des Menschen (seiner Psyche).

Verhalten: Verhalten ist ein Zentralbegriff der Verhaltensbiologie. Er bezieht sich auf alle äußerlich wahrnehmbaren und daher auch mit technischen Hilfsmitteln erfassbaren, aktiven Veränderungen, Bewegungen, Stellungen, Körperhaltungen, Gesten und Lautäußerungen eines Menschen oder Tieres sowie auf jene mehr oder weniger kurzfristigen, umkehrbaren Farb- und Formänderungen oder Absonderungen von Substanzen, die in irgend einer Form der Verständigung dienen (zum Beispiel Pheromone). Als Verhalten kann einerseits die Gesamtheit solcher Lebensvorgänge bezeichnet werden, andererseits können als Verhalten aber auch einzelne Merkmale in einer bestimmten Zeitspanne bezeichnet werden.

Verhalten wird von der Verhaltensbiologie verstanden als eine durch Gene und Lernen beeinflusste Anpassungsleistung eines intakten Organismus an seine Umwelt. Mit dem Tod eines Individuums endet daher auch sein Verhalten.

In Bezug auf Tiere gilt heute: Bei Tieren kann lediglich das Verhalten beobachtet werden.

Wenn diese These richtig wäre, dann wundert es mich besonders, dass sich Forscher bis ungefähr 1940 verstärkt darum bemühten, das innere Erleben von Tieren zu analysieren, zu verstehen und darauf praktisch einzugehen. In den späten 1930er-Jahren war die Tierpsychologie in bibliographischen Gliederungen des Universitätsfaches Psychologie in Deutschland als eigenes Gebiet enthalten und in der Nähe der Entwicklungsbiologie angesiedelt. So ist es heute noch in den USA!

Seit Jahrzehnten ist es damit vorbei - und - was wirklich erstaunlich ist - hat seit dieser Zeit auch das Tier, insbesondere das Haustier, in unserem Denken immer weniger Stellenwert.

Die Psychologie gilt als empirische Wissenschaft, die das Erleben und Verhalten des Menschen beschreibt und erklärt, seine Entwicklung im Laufe des Lebens und alle dafür maßgeblichen inneren und äußeren Ursachen.

Warum soll man das bei Tieren, insbesondere Haustieren und ganz speziell Hunden, plötzlich nicht mehr können? Man will es nicht - es ist kompliziert, aber doch nicht komplizierter als beim Menschen. Wir wissen seit Ewigkeiten, dass Krankheiten - auch bei Tieren - psychosomatischer Natur sein können (also hat das Tier eine Psyche), wir wissen, dass Verhalten abhängig ist vom psychischen Zustand, wir wissen, dass Tiere unter Stress leiden und viele psychische Symptome aufweisen wie auch der Mensch. Ja, heute werden sogar Tiere mit Psychopharmaka behandelt - und das, ohne überhaupt Ahnung von der Psyche der Tiere zu haben - das halte ich für äußerst bedenklich.

Die Tierpsychologie beschäftigt sich jedoch ausschließlich mit dem Verhalten von Tieren und der "Korrektur" von angeblichen Verhaltensproblemen. Dadurch wird an lediglich an den Symptomen "herumgebastelt" ohne oft die Ursache zu erkennen, geschweige denn, sie zu beseitigen.

Bei unseren engsten Hausgenossen, den Hunden und Katzen, liegt die Sache noch komplizierter. Viele unserer eigenen menschlichen Gefühle, Emotionen, Stimmungen und sogar Krankheiten übertragen wir unbewußt auf unsere Tiere. Ein Tier mit Verhaltensauffälligkeiten kann man demnach nicht allein "therapieren", man muß den dazu gehörenden Menschen mit analysieren und gegebenenfalls therapieren.

In meinen Augen ist es unverantwortlich, weiterehin allein das Verhalten des jeweiligen Tieres ändern zu wollen, ohne die Ursachen und den Menschen mit einzubeziehen.

Hinweis: Namentlich gekenzeichnete Beiträge spiegeln ausschließlich Meinung und Kenntnisstand des jeweiligen Verfassers wider. Das Infoportal Haustiere macht sich die Inhalte dieser Beiträge nicht zu eigen und garantiert nicht deren Richtigkeit.

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Themen: Tierpsychologie

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