Beantwortet: Frage von welpenagentur am Mittwoch, 23. April 2008

Bin ich als Hundehalter geeignet?

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Wer einen Hund kaufen will, stellt sich naturgemäß viele Fragen über Rasse, Geschlecht oder Eigenschaften des künftigen Hausgenossen. Mindestens ebenso wichtig ist aber die Frage, ob Sie als künftiger Halter die notwendigen Eigenschaften mitbringen, dem Hund ein zuverlässiger Partner zu sein.

Finanzielles

Ganz grundlegend für die Frage, ob man sich einen Hund anschaffen soll, ist natürlich der finanzielle Aspekt. Kann man sich die Haltung eines Hundes überhaupt leisten?

Neben den einmaligen Anschaffungskosten (ca. 150 – 1500 Euro je nach Rasse), schlagen vor allem folgende Kosten pro Jahr zu Buche:

  • Hundesteuer: 50 – 1000 Euro
  • Hundehalterhaftpflicht: 45 -70 Euro
  • Hundefutter: 240 – 840 Euro
  • Tierarzt (Impfung, Entwurmung etc.): 30 – 50 Euro
  • Zubehör wie Leinen, Spielzeug, Kauartikel etc:. 30 – 60 Euro
  • Hundeschule: 40 – 1500 Euro

Angenommen Sie leben in einer Hunde freundlichen Kleinstadt und entscheiden sich für einen kleinen Hund, z.B. einen Chihuahua. Ihr Hund ist gesund, Sie sind bei einer sehr günstigen Versicherungsgesellschaft versichert und besuchen für die nötige Grunderziehung einen örtlichen Hundeverein. Dadurch entstehen für Sie jährliche Fixkosten von ca. 435 Euro.  Wird Ihr vierbeiniger Liebling dagegen zu den so genannten Kampfhunderassen gezählt, er ist z.B. ein Rottweiler, und Sie besuchen mit ihm eine renommierte Hundeschule, dann können Sie selbst bei einem gesunden Hund mit Kosten in Höhe von ca. 3500 Euro pro Jahr rechnen. Unerwartete Kosten z.B. durch Krankheit oder Unfall sind in dieser Rechnung noch nicht enthalten.

Platzbedarf

Neben der finanziellen Situation sollten natürlich die räumlichen Gegebenheiten für die Haltung Ihrer Wunschrasse geeignet sein. Ein eigener Garten ist zwar praktisch, aber für die meisten Rassen nicht unbedingt notwendig.

Viel wichtiger ist die Frage, ob mit einem mehrmals am Tag realisierbaren Aufwand ein brauchbares Auslaufgebiet erreicht werden kann, in dem der Hund ohne Leine seinem Bewegungs- und Betätigungsdrang nachkommen kann. Auch ist zu bedenken, ob Sie den Nachbarn das hin und wieder unvermeidbare Bellen zumuten können. In einem allein stehenden Einfamilienhaus mit Garten ist das meist kein Problem. Anders sieht das jedoch in einem Mehrfamilienhaus aus, in dem womöglich das Treppenhaus von mehreren Parteien benutzt wird. Außerdem sollten Sie beachten, dass viele mittelgroße bis große Hunde zumindest im ersten Lebensjahr keine Treppen laufen sollen, damit die Gelenke nicht zu stark belastet werden. Das bedeutet: sie werden Ihren Hund im ersten Jahr mindestens die Treppen hinab tragen müssen, was bei einer Wohnung im dritten Stock mit einem 40 kg schweren Hund kaum zu schaffen ist. Wenn Sie in einer Mietwohnung leben, werden die meisten Züchter aus gutem Grund eine schriftliche Genehmigung Ihres Vermieters verlangen. Schon häufig kam es vor, dass mündliche Zusagen zurückgezogen wurden und der Hund wieder abgegeben werden musste, weil man mit Hund nicht so einfach eine neue Wohnung findet. Deshalb gehen Sie auf Nummer sicher und vereinbaren Sie schriftlich, dass Sie in Ihrer Wohnung einen Hund halten dürfen.

Zeitbedarf

Wenn die finanziellen und räumlichen Voraussetzungen für die Hundehaltung erfüllt sind, sollten Sie - last not least - einen weiteren Faktor kritisch prüfen: die Zeit.

Ein Hund braucht jeden Tag mindestens 2-3 Stunden Ihrer Zeit, in der Sie mit ihm spazieren gehen, spielen, üben, Körperpflege betreiben, ihn füttern und ihm zeigen, dass er zu Ihnen bzw. zur Familie gehört. Sie werden also pro Woche ca. 18 Stunden mit Ihrem Hunde verbringen, was umgerechnet bedeutet, dass Sie jedes Jahr mehr als einen Monat Ihrer Zeit Ihrem Hund schenken. Bei Arbeitshunderassen können Sie eher mit 1 Stunde mehr pro Tag rechnen, bei kleinen Begleithunderassen, die in einer mehrköpfigen, aktiven Familie leben, etwas weniger.

Ist der Hund oft allein?

Neben den Überlegungen, wie viel Zeit sie täglich ihrem Hund widmen können, ist auch die Frage wichtig, wie lange ihm ein tägliches Alleinsein zugemutet werden kann. Am einfachsten ist es, wenn Sie selbstständig sind und von zu Hause arbeiten können oder wenn Sie zu den Menschen gehören, die ihren Hund mit zur Arbeit nehmen dürfen. Soll Ihr Hund aber mehr als 6 Stunden allein zu Hause bleiben, stehen Gedanken darüber an, ob Sie jemanden engagieren können, der nach spätestens 4-5 Stunden kommt, ihn ausführt und einige Zeit mit ihm verbringt. Eine weitere Möglichkeit wäre, den Hund morgens zu einer Pflegefamilie zu bringen und nach der Arbeit wieder abzuholen. Inzwischen gibt es sogar Hundehorte, wo man seinen Hund währen der Arbeitszeit unterbringen kann. Bedenken Sie immer, dass ein Hund ein Rudeltier ist und sich deshalb nur in Gesellschaft wohl fühlt. 5 Tage in der Woche 8-10 Stunden am Tag und dann noch einmal 7-9 Stunden in der Nacht allein zu sein, ist keine artgerechte Hundehaltung. Viele Hunde gewöhnen sich zwar an so ein Leben, aber einige entwickeln dadurch Verhaltensprobleme wie Jaulen, Zerstörungswut, Selbstbeschädigung, Bissigkeit und Ticks.

Familienanschluß

Auch wenn die meisten Hunde sich in einer Familie sehr wohl fühlen und gerne mit den Kindern spielen, sollte ein Hund niemals in erster Linie für die Kinder angeschafft werden.

Kinder unter 13-15 Jahren sind nicht in der Lage, sich verantwortungsvoll um einen Hund zu kümmern oder ihn zu erziehen. Selbst kleine Hunde sollten von Kindern nur in Begleitung Erwachsener spazierengeführt werden, da sie mit vielen Situationen, wie z.B. der Begegnung mit fremden Hunden, noch überfordert sind. Tragen jedoch die Eltern die Hauptverantwortung und leiten sie zu verantwortungsvoller Hundehaltung an, profitieren Kinder viel von einem vierbeinigen Kameraden.

Konsequenz

Nachdem Sie also Ihre finanziellen, räumlichen und zeitlichen Möglichkeiten abgeklärt haben, kommt nun die entscheidende Frage: Haben Sie das nötige Engagement?

Sind sie überzeugt, dass Sie die nötige Ausgeglichenheit, Konsequenz, Ausdauer, Gelassenheit, Lernbereitschaft, Zuverlässigkeit, Autorität sowie Einfühlungsvermögen und Liebe zum Hund mitbringen, um Ihrem Vierbeiner ein verlässlicher Partner zu sein? All diese Eigenschaften qualifizieren Sie in den Augen eines Hundes zum geeigneten Rudelführer und stellen sicher, dass Sie und Ihr Hund ein zufriedenes Zusammenleben führen werden. Ein Hund kann seine angeborenen Verhaltensmuster nicht ändern, weil Sie sich z.B. einen gleichberechtigten Partner wünschen. Und kein Hund wird ohne Ihre Konsequenz und Ausdauer lernen, Ihre Kommandos zu verstehen und sicher zu befolgen. Es kommt also in erster Linie auf Sie an, ob Ihr Hund für Sie und Ihre Umwelt ein angenehmer und ausgeglicherner Begleiter ist. Gehen Sie bitte sorgfältig bei Ihren Entscheidungen vor, denn es gibt schon viel zu viele unbedacht angeschaffte Hunde in deutschen Tierheimen.

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